Von Kiwis und Kartoffeln

Ihr fragt euch, was ausgerechnet Kiwis mit Kartoffeln zu tun haben? Zugegeben, der Zusammenhang liegt nicht ganz so nah… Es geht um Vitamine und Nährstoffe.

Vielleicht ging es euch auch so, aber ich habe von meiner Mama immer gehört, dass die Vitamine bei Obst ganz nah unter der Schale liegen und ich deswegen möglichst alles aufessen muss. Gutgläubig wie ich war, habe ich als kleines Kind vor allem bei der ausgelöffelten Kiwi so lange an der Schale rumgekratzt und die letzten Saftreste vom Löffel geschlürft, bis ich nur noch einen Kiwifetzen vor mir (und ich selbst ein super Gewissen) hatte. Irgendwann in meiner Jugend habe ich diesen Vitamin-Mythos dann als pädagogischen Trick der Eltern identifiziert, den Kindern wenigstens ein paar Gramm mehr Obst und Gemüse unterzujubeln. Neulich jedoch habe ich dann gehört, dass bei der Kartoffel die Nährstoffe ebenfalls nahe der Schale liegen sollen. Also was denn nun?! Da beides zu meinen Lieblingsobst-/gemüsesorten gehört, ist die Zeit also reif für ein wenig Nachforschung.

Neulich kam auf ZDF Info die Doku „Die Kartoffel“ von 2008 in der Reihe Moderne Wunder. Leider nicht mehr in der Mediathek, aber vielleicht wird es ja mal wieder gesendet: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/08f09dee-c131-3898-beea-3efa0cea90b0/20250061?generateCanonicalUrl=true

Das war interessant, hat mir jedoch kaum neue Erkenntnisse gebracht – aber ich habe zum ersten Mal lila Kartoffeln gesehen. Echt toll sah das aus, und würde ich liebend gerne mal probieren… ob man das irgendwo hier bekommt, auf dem Markt, im Bio-Laden? Ich werde die Augen offen halten. Davor aber werde ich Süßkartoffeln ausprobieren, die ich bis jetzt noch nie gegessen habe. Die gibt es hier aber zum Glück in größeren Supermärkten zu kaufen und ich habe gleich mal die Gunst der Stunde genutzt (bevor ich das vor lauter anderen Dingen, die ich ausprobieren will, wieder vergesse). Sie warten schon auf ihre Zubereitung, ich muss mir nur noch überlegen, was ich daraus mache – aber das werdet ihr sicher bald erfahren 🙂

Kiwis_und_Kartoffeln

Zurück zu meiner eigentlichen Frage!

Denn ich habe im Magazin von chefkoch.de einen Artikel zu Lebensmitteln gefunden, wo drin steht, dass tatsächlich die meisten Nährstoffe im Randbereich zu finden sind – aha, Treffer! http://www.chefkoch.de/magazin/artikel/129,3/Chefkoch/Gemuese-und-Kraeuter.html

Tjaaaaa, aber schon der nächste Treffer bei der Suche „Kartoffeln Nährstoffe Schale“ führte mich zur Rubrik „Stimmt’s“ von Christoph Drösser bei DIE ZEIT von 1998 – und dort wird genau das Gegenteil behauptet, nämlich dass bei Obst wie Äpfeln oder Birnen die Vitamine tatsächlich in oder nahe der Schale stecken, aber der Vitamingehalt bei Kartoffeln zur Schale hin eher abnehmen würde: http://www.zeit.de/stimmts/1998/1998_26_stimmts

Ja was denn nun, das ist ja zum Verzweifeln!

Mein vorerst letzter Versuch, mich über meine Lieblingsbeilage zu informieren, ist „Iss richtig: Kartoffeln“ auf Spiegel TV mit Tim Mälzer vom 17.10.2011. Er hat den Experten Udo Pollmer in der Sendung, der aber ein bisschen anstrengend ist, weil er sehr belehrend ist, sich irgendwie ständig aufregt, wie man nur auf die und jene Idee kommen könnte – und Tim Mälzer stellt immer mal Fragen zwischendurch, kocht aber mehr oder weniger zunehmend ruhig vor sich hin: http://www.spiegel.tv/filme/iss-richtig-kartoffeln/

Im Rahmen all dessen, was ich gelesen und geschaut habe, wollte ich noch kurz erwähnen, was mir gar nicht so präsent war: Kartoffeln enthalten das Gift Solanin, d.h. nicht roh essen, grüne Stellen und Keime großzügig wegschneiden, Pellkartoffelwasser wegschütten und nicht weiterverwenden (eine Idee dafür fällt mir eh nicht ein, aber man weiß ja nie). Das Ganze ist natürlich bei Kindern umso wichtiger. Wenn die Schale frittiert wird, z.B. bei Wedges, ist das nicht so schlimm, aber ansonsten sollte man die Schale nicht unbedingt essen.

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Hundertprozentig zufrieden bin ich nicht, aber ich hoffe, dass ihr vielleicht auch ein bisschen was Neues gelernt habt – ich auf jeden Fall 🙂 Und lecker ist und bleibt die Kartoffel trotzdem!

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