Küchenduft und Backgenuss

Für alle, die gerne essen, kochen und backen. Und für alle, die einfach gerne stöbern.

Heimatgefühle: Immer wieder mal „Kartoffelpizza“

Heute möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen, die mit dem mysteriösen Essen namens „Kartoffelpizza“ zu tun hat. Es ist nämlich so, dass ich jedes Mal seltsam angeschaut werde, wenn ich dieses Essen esse oder davon berichte, sobald ich außerhalb der 4 Wände meiner Mutti bin – gefühlt der einzige Mensch, der dieses Essen kennt 🙂

Wie vielleicht einige von euch wissen (und der Rest weiß es spätestens gleich), komme ich aus Thüringen. Man kann sich streiten, wofür Thüringen wirklich berühmt ist (außer Goethe und Schiller), aber auch wenn wir vielleicht nicht die Erfinder dieser Nahrungsmittel sein mögen, die Thüringer Bratwurst und Thüringer Klöße spielen kulinarisch gesehen ganz oben mit. Kein Besuch, kein Jahrmarkt, kein Fest ohne Bratwurststand (so wie es anderswo Brathähnchen oder Currywurststände gibt, steht bei uns an jeder zweiten Ecke ein Bratwurststand rum)… und Klöße gibt es zu jeder erdenklichen Feierlichkeit, nicht nur zu Weihnachten. Es gibt sogar in manchen Dörfern ein Kloßwettessen 🙂

Nun ja, ich gehöre auf jeden Fall zu der Kloß-Fraktion – da ich ja sowieso Kartoffeln liebe, gehört auch diese verarbeitete Form dazu. Klöße mit Soße oder Bratklöße, mehr braucht es nicht, um ein leckeres Mal zu zaubern. Nur war meine Mutti aus dem Grund immer verzweifelt und fragte mich, wie ich mir vorstelle, dass sie Klöße mit Soße kochen soll, wenn ich den Braten dazu nicht essen will. Es ist nicht so, dass ich kein Fleisch esse, aber ich bin auch kein absoluter Fleischliebhaber und von schweren, mächtigen Braten sowieso nicht. Meistens endete es damit, dass mein Papa einen riesigen Fleischberg auf dem Teller hatte und ich umso mehr Klöße mit Soße. Dabei muss ich zugeben, dass die Klöße nie von Grund auf selbstgemacht wurden, dafür gibt es in Thüringen auch viel zu leckeren Kloßteig, der wirklich gut schmeckt und den Aufwand nicht rechtfertigt… vielleicht habe ich mich aber auch nur an den Geschmack gewöhnt 😉 Wir hatten jedenfalls fast immer eine Packung fertigen Kloßteig im Kühlschrank, und eines Tages hat meine Mama (irgendwann Ende der 90er Jahre muss das gewesen sein) die Packung studiert und dort war ein Rezept für „Kartoffelpizza“, das wir seitdem unzählige Male verspeist haben.

Um euch nicht noch länger auf die Folter zu spannen: Es ist ganz leicht. Bei Kartoffelpizza handelt sich um Kloßteig, der dünn mit Sonnenblumenöl bestrichen, dann nur mit Schinken und Käse belegt und anschließend ca. 30 Minuten bei 180 Grad Ober-/Unterhitze gebacken wird. Klingt unspektakulär, ist aber wirklich lecker.

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Ich gebe zu, allzu gesund wahrscheinlich nicht, aber gerade jetzt, da es wieder etwas kälter ist, oder dann im Herbst und Winter ist es ein tolles, schnelles Abendbrot und schmeckt mal ganz anders als viele andere Dinge, die man so kennt. Ich nehme meistens Schwarzwälder Schinken zum Belegen, zusätzlich mit Tomaten habe ich auch schon ausprobiert, das hat aber nicht so gut gepasst. Meistens nehme ich normalen Reibekäse (Gouda und/oder Emmentaler), neulich habe ich aus Käsenot heraus die Pizza mit Mozzarella probiert. Und was soll ich sagen: Ich dachte, es passt nicht, aber war super lecker!

Kartoffelpizza_CollageDieses Essen hatte ich mittlerweile auch schon ein paar Mal auf Arbeit zum Mittag, und bei so vielen neugierigen Blicken und Diskussionen wurde mir erneut klar, dass wirklich niemand außer meiner Mutti und mir Kartoffelpizza zu kennen scheint – daher wollte ich die Geschichte und das Rezept mit euch teilen. Vielleicht traut sich ja einer an das Experiment, ich wäre sehr interessiert zu wissen, ob es euch geschmeckt hat 🙂

Liebe Grüße

Katharina

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P.S.: Mein Lieblings-Kloßteig ist übrigens von „Emmi“, den gibt es aber glaube ich wirklich nur in Thüringen, den bringen mir immer mal meine Eltern aus der Heimat mit. Mit dem Kloßteig von Henglein macht sich die Kartoffelpizza aber auch ganz gut.

 

P.P.S.: Von meiner Kartoffelpizza wollte ich euch schon lange mal schreiben – gut, dass ich es erst jetzt mache, denn passenderweise gibt es ein Blogevent zum Thema „Kindheitserinnerungen“ – wenn das mal nicht ein Zufall ist. Hiermit schicke ich also ein Stück Thüringen zu Tina:

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7 Kommentare zu “Heimatgefühle: Immer wieder mal „Kartoffelpizza“

  1. Tina von LECKER&Co
    29. April 2015

    Liebe Katharina,

    Kartoffelpizza – darunter konnte ich mir erst auch nichts vorstellen. Ist aber echt eine witzige Idee – und man kann Kloßteig ja auch in allen Variationen belegen. Ich denke da gerade an Spargel und Sauerrahm…

    Danke für deine süße Geschichte und die Reise in die Vergangenheit.

    Liebe Grüße,
    Tina

  2. Davon habe ich noch nie gehört, aber es klingt irgendwie lecker! Ich bin absoluter Kartoffel Fan und wenn dann auch noch Speck dabei ist… Yummi 🙂

    Liebe Grüße
    Dörthe

    • Liebe Dörthe, das trifft sich perfekt, bei diesem Gericht sind ja lauter Sachen dabei, die du magst… also ran an den Herd und nachmachen 🙂 Ich bin gespannt auf deinen Erfahrungsbericht, sollte es auch bei dir einmal Kartoffelpizza geben! Liebe Grüße, Katharina

  3. haferhexe
    12. Mai 2015

    Das klingt lecker. Und immer wieder gibt es Rezepte, die andere komisch finden, man selbst aber super lecker – wie meine Buttermilchkartoffeln. Ich werde es bestimmt mal probieren 🙂 LG 🙂

    • Wie recht du hast! Aber schön, dass ich andere Leute mit meinem „seltsamen Kindheitsessen“ zum Nachmachen verleiten kann 🙂 Bin gespannt auf die Erfahrungsberichte – und Buttermilchkartoffeln klingt auch „spannend bis merkwürdig“, muss ich mir mal anschauen. Liebe Grüße!

  4. küchenfee
    14. Mai 2015

    Ich komme auch aus Thüringen *lach* und habe auch noch nie von diesem Gericht gehört 😀

    • Tja dann hat deine Mama wohl das Rezept auf der Kloßpackung nicht gelesen oder ihr habt einen anderen Kloßteig genommen bzw. selbst gemacht 😉 Aber das Ausprobieren lohnt sich, geht schnell und ist lecker… Gruß von Thüringerin an Thüringerin 😀

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. April 2015 von in Rezepte (Backen) und getaggt mit , , , , , , .
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