Rezension: Geschmack

Geschmack ist aus unserem täglichen Leben kaum wegzudenken. Auf der Straße wehen uns oft die verschiedensten Düfte aus geöffneten Fenster, von Restaurants oder von unserem eigenen Snack-to-go entgegen. Die heimischen Gewürzschränke sind je nach Vorliebe fürs Kochen mehr oder weniger gefüllt, aber jeder kennt die irritierten Gesichter am Tisch, wenn mal ein Essen misslungen ist und nach gar nichts schmeckt und alle verlegen wenigstens nach Salz und Pfeffer greifen. Doch die wenigsten von uns beschäftigen sich über das persönliche Erlebnis hinaus intensiver mit Geschmack. Das tut jedoch Bob Holmes in seinem gleichnamigen Buch, was ich euch heute mal anstelle eines „normalen“ Koch- oder Backbuchs mitgebracht habe. Die Ankündigung „Eine Reise in die Welt der Aromen“ ist jedenfalls sehr vielversprechend… eine Reise, auf die ich mich gerne begeben habe!

Der kanadische Autor ist studierter Evolutionsbiologe und in seinem Gebiet der Geschmacksforschung anscheinend sehr bewandert. Die besten Voraussetzungen also, um das Thema Geschmack fachlich zu unterfüttern (immer diese essensbezogenen Wortspiele, die sich bei diesem Thema unbewusst einschleichen 😉 ). So viele Seiten zu dem Thema, oha, dachte ich mir, aber wer nicht liest, lernt nichts.

  • Autor: Bob Holmes
  • Verlag: Riemann-Verlag
  • Preis: 24,99 Euro

Ich habe tatsächlich schon auf der ersten Seite einige neue Dinge gelernt, z. B. dass eine Prise Salz das Bittere einer Grapefruit etwas neutralisiert und dass wegen dieses Zusammenspiels auch gesalzene Nüsse so gut zu Bier passen. Auf den folgenden Seiten lernt man noch viel, viel mehr. Der Leser sollte auf jeden Fall ein Grundinteresse für die Materie mitbringen, es ist aber auf jeden Fall eine sehr unterhaltsame Lektüre. Sogar sehr – mich hat mitunter der „plappernde“ Tonfall etwas irritiert, ist das Buch doch recht klar dem (poulär-)wissenschaftlichen Bereich zuzuordnen und mich interessierte bei aller Liebe zum Detail dann doch weniger, welches Hemdmuster sein Gegenüber im Hotel hat. Etwas, was ist das passende Wort dafür, bemüht locker finde ich auch die Kapitelnamen. Immerhin kein locker-flockiger Roman, von dem ich Wortwitz erwarte – und so konnte ich mir durch den Blick ins Inhaltsverzeichnis nicht wirklich näher erschließen, worum es denn im Folgenden im Buch genau gehen soll.

Aber beim Lesen merkt man, dass Bob Holmes echt Ahnung hat uns sich gefühlt eine Ewigkeit mit dem Thema beschäftigt hat. Es werden richtig viele Referenzen, Studien, Gespräche und Forschungen zitiert. Das ist wahnsinnig spannend und für mich war vieles Neuland. Den Schreibstil und die ausführlichen Erläuterungen muss man abkönnen, aber hey, wenn ich ein Buch von 320 Seiten lesen, bei dem klar ist, es geht nur um Geschmack, dann weiß ich eigentlich, worauf ich mich einlasse. Nur eines möchte ich an dieser Stelle unbedingt betonen: Nur weil es ein Sachbuch ist, heißt das nicht, bzw. eigentlich gerade deswegen nicht, dass Bilder zum Thema hier nichts zu suchen hätten. Aaaaaarrrrggg…. Hier geht es um den Geschmackssinn und der visuelle Sinn wird so völlig außen vor gelassen? Gerade beim Thema Essen und Trinken und bei den vielen Studien, Instituten und Forschungsergebnissen hätten die ein oder anderen Bilder, Grafiken, Tabellen etc. das Buch etwas leichter bekömmlich gemacht.

Nichtsdestotrotz: Eine Leseempfehlung für alle, die sich tiefergehend mit dem wissenschaftlichen Hintergrund von Geschmack beschäftigen möchten, ohne auf die einzig wahre Erklärung zu hoffen. Denn letztendlich ist die Erkenntnis: Geschmäcker sind nun mal verschieden. Aber auch: Geschmäcker kann man trainieren. Und so ist meine Erkenntnis letztendlich, dass es sich lohnt, in Zukunft bewusster zu schmecken, um dem Thema Essen, Trinken und Kochen an der einen oder anderen Stelle in meinem Leben noch mehr „Würze“ zu verleihen.

Einfach vorbeiklicken, beim Verlag oder online: Geschmack: Gebrauchsanleitung für einen vernachlässigten Sinn – –*

Es ist auf jeden Fall eine spannende

Vielen Dank an den Riemann-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Die Rezension spiegelt selbstverständlich lediglich meine eigene Meinung wider.

 

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